„Das Empfehlungsschreiben stark diskreditiert“

31.07.2014 Aktuell

Die Fanorganisation ProFans ist enttäuscht, dass der Sicherheits-Beauftragte des DFB, Hendrik Große-Lefert, das Empfehlungsschreiben des DFB anders interpretiert als die Fanvertreter. ProFans denkt nach der Enttäuschung über ein Ende des Dialogs mit dem DFB nach.

Faszination Fankurve: Der DFB hat in der letzten Woche ein Papier an die Vereine verschickt, das die Freigabe verschiedener Fanutensilien empfiehlt. Wart Ihr als ProFans an der Entstehung dieses Papiers beteiligt?
ProFans: Als eine von mehreren bundesweiten Fanorganisationen sind wir in der AG Fanbelange/Fanarbeit des DFB vertreten. Dort werden die unterschiedlichsten Themen rund um die Belange der Fußballfans behandelt. Nach vielen restriktiven Maßnahmen in den vergangenen Jahren, sahen wir als AG die Notwendigkeit, den Fans mehr Sicherheit in der Mitnahme von Fanutensilien zu geben. Das Schreiben sollte ein deutliches Zeichen an die Fans sein, dass sich die AG Fanbelange/Fanarbeit für eine uneingeschränkte Verwendung von Dingen wie beispielsweise Fahnen, Doppelhalter und Trommeln im Stadion ausspricht.
Dafür entwickelten wir mit den anderen Fanorganisationen über ein gutes Jahr lang ein Empfehlungsschreiben samt Glossar, in dem neben der empfohlenen Freigabe auch eine Erklärung sämtlicher fantypischer Materialien zu finden ist, die für uns zu einer lebendigen Fankultur gehören und nicht beschränkt werden sollten.

Faszination Fankurve: Welche Erwartungen waren bei der Ausarbeitung an dieses Papier geknüpft?
ProFans: Die Erwartungen waren enorm hoch! Dem langjährigen Theater um Fanutensilien-Verbote, teilweise als Erziehungsmaßnahmen im Sinne einer pauschalen Sippenhaft gedacht, sollte endlich ein Ende gemacht werden. Alle Anwesenden waren sich einig, dass das Verbot von Fanutensilien in den Stadien nie dafür sorgen würde, dass es nicht mehr zu Auseinandersetzungen beispielsweise an Rastplätzen kommen wird. Ebenso war auch den Verbänden klar, dass Pyrotechnik nicht aus den Kurven verschwindet, wenn Megaphone verboten werden. Fanutensilien müssen einfach ein ebenso hohes Gut wie Stehplätze sein. Einschränkungen und Verbote von Fanutensilien sind für uns als ProFans ganz grundsätzlich nicht hinnehmbar.

Faszination Fankurve: Gab es auch kritische Stimmen bei der Erarbeitung des Papiers?
ProFans: Unsere Euphorie wurde von Seiten des DFB schnell etwas gebremst, da oftmals auch kommunale Richtlinien die Vereine beim Thema Fanutensilien beschränken. Selbstverständlich ist dies in unseren Augen oftmals nur ein Vorwand, um die Schuld der Politik zuzuschieben. Jedoch waren sich Fanvertreter und Verbände einig, dieses Schreiben neben den Vereinen auch politischen Entscheidungsträgern zukommen zu lassen, um so auf eine bundeseinheitliche Regelung hinzuwirken. Dieses Ziel wurde auch von der DFB-Kommission „Prävention und Sicherheit“ festgehalten.

Faszination Fankurve: Kurz vor dem Saisonstart der 3.Liga ging das Schreiben an die Vereine. Ein großer Erfolg?
ProFans: Ja und nein. Auf der einen Seite haben wir es geschafft, dass sich die AG Fanbelange erstmals öffentlich äußert und gegen die Beschränkung von Fanutensilien vorgeht. Auf der anderen Seite waren wir enttäuscht, dass der DFB erst nach mehrfachen Aufforderungen unserem Wunsch nach einer Versendung des Schreibens vor der Saison 2014/2015 nachkam. Deutlich zu spät für die früher startende 3. Liga, in der es bereits enorme Materialeinschränkungen gibt.

Faszination Fankurve: Der Sicherheitsbeauftragte des DFB, Hendrik Große-Lefert, hingegen sprach laut einem Westline-Bericht davon, dass das Papier vorschnell in die aktuelle Diskussion eingebracht wurde und damit die Idee der Empfehlung “verfälscht” worden sei. Wie steht ihr zu diesen Aussagen?
ProFans: Wir sind fassungslos. Dass Herr Große-Lefert die Intention dieser Empfehlung minimierte und zugleich anmerkte, dass es immer Gründe gäbe, Material nicht freizugeben, widerspricht den Zielen, die wir uns mit diesem Empfehlungsschreiben gesetzt haben und die der Forderung der AG Fanbelange/Fanarbeit entsprachen. Scheinbar haben die Fanvertreter und Herr Große-Lefert die Absichten dieses Schreibens komplett unterschiedlich aufgefasst. Leider war Herr Große-Lefert bei der Entstehung persönlich nicht dabei.
Nun haben wir viel Energie, Zeit und Hoffnungen in eine Empfehlung investiert, mit der sich der offizielle Unterzeichner scheinbar doch nicht wirklich identifiziert.
Wenn das Schreiben nicht in die aktuellen Diskussionen in Münster und Wuppertal eingebracht würde, wozu wäre es dann überhaupt noch nützlich?!

Faszination Fankurve: Klingt stark nach Diskussionsbedarf. Wie geht es jetzt weiter?
ProFans: Den gibt es allerdings! Die Fangruppen, die wir vertreten, sind zu Recht schwer enttäuscht. Nach vielen Jahren sicherlich wichtiger Gespräche mit dem DFB, gab es nun erstmals ein vorzeigbares Ergebnis. Wenn der DFB die generelle Freigabe aller gängigen Fanutensilien empfiehlt, bringt das die Vereine in Zugzwang. Dort wo es noch besondere lokale Verordnungen gibt, könnten Fans und Vereine auf der Grundlage des Schreibens mit der Politik das Gespräch suchen. Mit Rückendeckung des DFB sind solche Gespräche sicher auch nicht aussichtslos. Nun ist das Empfehlungsschreiben jedoch stark diskreditiert worden und hat aus unserer Sicht durch die öffentlichen Äußerungen des DFB an Wert verloren. In naher Zukunft steht wieder ein Treffen der AG an. Dort wird das Papier auf jeden Fall noch einmal ein Thema sein. Es wird so natürlich immer schwerer Gründe zu finden, um weiter mit den Verbänden im Dialog zu bleiben, wenn eigentlich gute Ansätze so torpediert werden.
Wir hoffen, dass die Vereine das Empfehlungsschreiben ernst nehmen und endlich erkennen, dass Material-Verbote erstens kein Lösungsmittel für Probleme sind und zweitens Fanutensilien uneingeschränkt zu einer lebendigen Fankultur in den Stadien gehören. (Faszination Fankurve, 31.07.2014)

ProFans – Pressemitteilung 24. Juli 2014

27.07.2014 Aktuell

ProFans fordert die generelle Freigabe von Fanutensilien

Berlin, den 24. Juli 2014

ProFans fordert die generelle Freigabe von Fanutensilien für die Fans in allen Heim- und Gästekurven des Landes. In diesem Zusammenhang begrüßt ProFans, dass der DFB am gestrigen Tag endlich ein in der AG Fanbelange/Fanarbeit des DFB gemeinsam erarbeitetes Empfehlungsschreiben zur grundsätzlichen Freigabe von Fanutensilien an die Vereine verschickt hat.

ProFans-Sprecher Alex Schulz: „Das Schreiben ist ein wichtiges Zeichen für eine bunte Fankultur. Die Fan-Organisationen fordern gemeinsam mit dem DFB sowie Vertretern der Fanprojekte und Fanbeauftragten offiziell die Vereine auf, grundsätzlich auf Materialeinschränkungen zu verzichten. Nun sind die Vereine aber auch die politischen Entscheidungsträger gefragt, entsprechende Verordnungen im Sinne der Fans anzupassen.“

Das Ziel des Empfehlungsschreibens ist es, konkrete Mindestleitlinien zu schaffen, an denen sich die Vereine orientieren sollen. „Fußballfans, die fortwährend mit Verboten, teils sogar der eigenen Vereine, konfrontiert werden, sollen für den Dialog mit ihren Vereinen unterstützend eine offizielle Argumentationshilfe von Seiten der AG ‘Fanbelange/Fanarbeit’ erhalten“, erläutert ProFans-Sprecher Jakob Falk. „Die Zeit der unsinnigen Stückzahl-Beschränkungen, peniblen Größenabmessungen und bürokratischen Voranmeldungen muss endlich vorbei sein. Es sollte das Normalste der Fußball-Welt sein, dass ein Fan, egal ob zuhause oder auswärts immer und überall seine Fahnen mit ins Stadion nehmen kann“, so Falk weiter.

Bei aller Freude äußert ProFans gleichzeitig auch Kritik am späten Zeitpunkt der Versendung. Bereits im April 2014 hatten sich alle Beteiligten darauf geeinigt, das Empfehlungsschreiben zeitnah gleichzeitig den Vereinen und dem Nationalen Ausschuss Sport und Sicherheit zukommen zu lassen. Im Zeitraum eines Jahres war das Schreiben vorher bereits vom „Fachbereich Fußballkultur“ und der Kommission „Prävention und Sicherheit“ des DFB bestätigt worden. Wenige Tage vor dem Start der dritten Liga konnten viele Vereine das Schreiben somit für die Saisonplanung und den Dialog mit ihren Fans im Vorfeld nicht nutzen. Wie zuletzt bekannt wurde, haben der SC Preußen Münster und der Wuppertaler SV neue Material-Einschränkungen gegen ihre Fans beschlossen.

„Das Thema Fanutensilien und ihre Freigabe sind ein sehr akutes Thema, wie die aktuelle Brisanz der Beispiele aus Münster und Wuppertal zeigen. Anstatt den im Sicherheitskonzept 2012 geforderten Dialog konstruktiv zu führen, werden pauschale und nicht nachvollziehbare Restriktionen sogar für Heimkurven erlassen.

Das ist eine neue Stufe der Repression gegenüber den aktiven Fans, die eventuell durch eine rechtzeitige Versendung des Empfehlungsschreibens vor dem Saisonstart der unteren Ligen hätte vermieden werden können“, sagt ProFans-Sprecherin Sandra Schwedler.

Eineinhalb Jahre nach dem 12.12.2012 stellt ProFans fest, dass einige Vereine wieder in alte Verhaltensmuster gefallen sind, die vor allem restriktive Maßnahmen und oberflächlichen Dialog beinhalten. Aus Sicht von ProFans gibt es keine schlüssigen Argumente mit dem Verbot von Fanutensilien ganze Fanblöcke oder Kurven in Sippenhaft zu nehmen. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass Verbote nicht zielführend sind, sondern viel mehr kontraproduktiv wirken. Nicht umsonst wurde das sogenannte St-Pauli Modell gerade beim FC St. Pauli abgeschafft, da sich die aktiven Fans nicht erpressen lassen.
„Die Lösung kann und wird nicht in Verboten liegen, auch wenn manche Politiker und Sicherheitsbeauftragte in Law-and-Order immer noch ein Allheilmittel sehen“, fasst Sandra Schwedler zusammen.

ProFans fordert daher die Vereine auf, auf jegliche Einschränkungen bei Fanutensilien zu verzichten und erwartet von den Netzwerkpartnern der AG Fanbelange/Fanarbeit des DFB, dass sie Fußballfans – gemäß des veröffentlichten Schreibens – bei ihren Bemühungen um die Freigabe von Fanutensilien aktiv unterstützen.

Konkret fordert ProFans die Verantwortlichen in Münster und Wuppertal auf, die neuen Restriktionen zurücknehmen und den Dialog mit den lokalen Fankurven zu suchen.

ProFans, im Juli 2014

ProFans – Pressemitteilung 18. Juli 2014

18.07.2014 Aktuell

ProFans legt in der neuen Saison den Fokus auf fangerechte Anstoßzeiten

Berlin, den 18. Juli 2014

Während beim Großteil der Sportbegeisterten sich das WM-Fieber allmählich abkühlt, hat für viele Fans und Ultras der Vereine schon wieder der Alltag begonnen. Der Alltag beginnt für alle aktiven Fans dieses Landes mit dem Blick auf den Spielplan der neuen Saison. Bereits auf den ersten Blick erscheinen einige Ansetzungen, die vor allem bei den auswärtsfahrenden Fans für Kopfschütteln sorgen. Die Fans vom FC Sankt Pauli etwa müssen an einem Freitagabend (Anpfiff 18:30 Uhr) mehr als 600km bis nach Aalen fahren. Ähnlich ergeht es den Fans von Borussia Dortmund, die ebenfalls an einem Freitag (Anpfiff 20:30 Uhr) in Augsburg spielen. Von der 1. bis zur 3. Liga lassen sich diese Beispiele allein für die ersten Spieltage fortsetzen. Wieder einmal ist nicht ersichtlich, dass es für die DFL eine Notwendigkeit gegeben haben könnte, zu diesen fanunfreundlichen Terminierungen zu kommen.

Die ersten Terminierungen der Saison waren dabei gewiss nur ein Vorgeschmack auf das, was in dieser Saison vermutlich erneut folgen wird. Besonders auf die Fans der 2. Liga werden erneut Anstoßzeiten warten, die eine Anreise für viele Anhänger unmöglich macht.

Das Bündnis ProFans gründete sich in der Saison 2000/01 unter dem Namen „Pro 15:30“. Es kam damals erstmals in der Geschichte der Fan- und Ultrakultur in Deutschland zu einem großen, überregionalen Protest. Thematisiert wurde ursprünglich die Zerstückelung des Spieltages auf vier Tage mit jeweils einer Anstoß-Zeit (Fr-Sa-So-Mo). Es wurden Vertreter der Initiative zur DFL geladen, Versprechungen gemacht und Erwartungen geweckt, die nicht eingehalten wurden. Seit über 13 Jahren finden regelmäßig Gespräche mit Verbandsvertretern statt, die Protestbanner in den Stadien sind oft besonders bei Montagsspielen der 2. Liga vielen Fernsehzuschauern bekannt. Nachdem die DFL unter anderem beim Fankongress 2012 professionelle Erklärungen zu den Hintergründen der Terminierung abgegeben hat, scheint sich in der Fanszene inzwischen etwas Resignation breit gemacht zu haben.
ProFans will dieser Entwicklung in der kommenden Saison 2014/2015 entschieden entgegenwirken. „Wir treten auf der Stelle. Die Verbände haben uns Verständnis beim Thema Anstoßzeiten entgegengebracht“, sagt ProFans-Sprecherin Sandra Schwedler und führt aus: „Verändert hat sich die Situation für uns Fans allerdings nur zum Negativen. Die Spieltagszerstückelung ist inzwischen so weit vorangeschritten, dass in der 1. und 2. Liga an vier verschiedenen Tagen zu 12 (!) verschiedenen Zeiten angepfiffen wird.“

ProFans fordert die DFL und alle Beteiligten – die für die Terminierung verantwortlich sind – auf, die Spieltagszerstückelung schrittweise wieder rückgängig zu machen.

ProFans-Sprecher Jakob Falk: „Uns ist klar, dass wir das Rad der Geschichte nicht zurückdrehen können und eine reine Fokussierung auf den Samstag um 15:30 Uhr als einzigen Spieltag utopisch ist. Realistisch erscheint uns allerdings, dass es nur eine Anstoßzeit an einem Tag gibt und vor allem die seit Jahren angesprochene 300km-Regel umgesetzt werden kann.“ Die sogenannte „300km-Regel“ fordert, dass nur zwei Vereine am Freitag, Sonntag oder Montag gegeneinander spielen sollen, deren Spielorte nicht mehr als 300km auseinander liegen. ProFans kritisiert grundsätzlich die „Englischen Wochen“ mit Spielansetzungen von Dienstag bis Donnerstag, sowie die unerträglichen „Montagsspiele“ der 2. Liga und fordert insbesondere für diese speziellen Termine die Einhaltung der 300km-Regel.
ProFans fordert die DFL auf, Fan-Interessen endlich höher oder mindestens gleichwertig zu den Interessen der medialen Vermarktung, der Vereine und weiteren beteiligten Mitsprechern zu behandeln.
„Wir erwarten für die kommende Spielzeit ehrliche Erklärungen für nicht nachvollziehbare fanunfreundliche Anstoßzeiten und einen zielgerichteten Dialog mit der DFL“, betont ProFans-Sprecher Alex Schulz.

Das Bündnis ProFans wird in der kommenden Saison 2014/2015 mit speziellem Fokus auf die Spielansetzungen vor und hinter den Kulissen tätig werden. Alle Fußballfans sind dazu aufgerufen, sich unseren Aktionen anzuschließen.

Wir lassen uns unser Spiel nicht nehmen!

ProFans, im Juli 2014

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